Vereiste Gartenwege im Winter stellen nicht nur ein Risiko für die Sicherheit dar, sondern belasten zugleich das ökologische Gleichgewicht Ihres Grundstücks erheblich. Die weit verbreitete Nutzung von Salz oder Sand zur Glättebekämpfung bringt oft unerwünschte Nebenwirkungen mit sich, die erst im Frühjahr sichtbar werden – etwa in Form von geschädigten Pflanzen und ausgelaugtem Boden.
Aus diesem Grund beschäftigen sich immer mehr Gartenbesitzer mit der Frage, weshalb klassisches Streusalz dem Garten langfristig schadet und welche umweltfreundlicheren Lösungen moderne agrartechnische Entwicklungen bieten.
Zunächst wirken Salz und Sand wie kostengünstige und unkomplizierte Mittel. Doch ihre negativen Auswirkungen auf die Bodenqualität machen sie auf Dauer zu einer teuren Wahl. Natriumchlorid fungiert im Erdreich als chemischer Austauschstoff: Es verdrängt Kalzium und Magnesium – Mineralstoffe, die für eine stabile und lockere Bodenstruktur unerlässlich sind. Dadurch verdichtet sich der Boden, der Luftaustausch wird eingeschränkt und die Pflanzenwurzeln leiden unter Sauerstoffmangel.
Hinzu kommt der sogenannte Effekt der „salzbedingten Trockenheit“. Steigt die Salzkonzentration im Wurzelbereich zu stark an, kehrt sich der osmotische Prozess um: Die Pflanze gibt Wasser ab, statt es aufzunehmen. Im Frühjahr zeigt sich dann ein trügerisches Bild – Pflanzen stehen zwar in feuchter Erde, vertrocknen jedoch, weil ihnen durch das Salz die Feuchtigkeit entzogen wird.
Sand wiederum beseitigt das Eis nicht, sondern verdeckt das Problem lediglich. Mit der Zeit lagert er sich in Fugen und Drainagesystemen ab und kann im Innenbereich als Schleifstoff wirken, der Bodenbeläge beschädigt.
Eine sinnvolle Alternative zu herkömmlichem Streusalz stellt Carbamid, auch als Harnstoff bekannt, dar. Dabei handelt es sich um einen hochkonzentrierten Stickstoffdünger, der durch eine wärmefreisetzende Reaktion wirkt. Sobald die Granulate mit Eis in Kontakt kommen, entsteht Wärme, die das Eis von innen aufbricht und seine feste Struktur zerstört.
Der entscheidende Vorteil dieses Verfahrens liegt in seiner Umweltverträglichkeit. Mit Beginn der Vegetationsperiode wandeln sich die Rückstände des Carbamids in wertvolle Nährstoffe um, die das Wachstum von Rasenflächen und Zierpflanzen unterstützen.
Zur Anwendung werden die Granulate gleichmäßig und sparsam auf die vereiste Fläche verteilt, ohne Häufungen zu bilden. Anschließend benötigt das Mittel eine Einwirkzeit von etwa 45 bis 60 Minuten. Währenddessen durchdringt die Reaktion die gesamte Eisschicht bis zum Untergrund, wodurch das Eis weich und leicht lösbar wird.
Die aufgeweichte Eisschicht kann danach mühelos mit einem Besen oder einer Kunststoffschaufel entfernt werden. Das Material lässt sich anschließend im Garten verteilen – etwa unter Bäumen oder auf freien Bodenflächen. Schmelzwasser transportiert den Stickstoff gezielt in den Boden, wo er den Pflanzen im Frühjahr zugutekommt.
Trotz seiner Vorteile weist Carbamid bestimmte Anwendungseinschränkungen auf. Die beste Wirkung entfaltet es bei Temperaturen bis etwa minus 10 bis minus 12 Grad Celsius. Sinkt die Temperatur weiter, verlangsamt sich die Reaktion deutlich und die Enteisungsleistung nimmt ab.
Gleichzeitig ist Carbamid wesentlich material- und tierfreundlicher. Es greift Schuhe nicht an, hinterlässt keine weißen Rückstände und reizt die Pfoten von Haustieren nicht. Auch wenn der Preis zunächst höher erscheint als bei technischem Streusalz, handelt es sich langfristig um eine lohnende Investition in gesunden Boden und einen widerstandsfähigen Garten.
Der Artikel wurde speziell für die Redaktion von MixTema verfasst; eine vollständige oder teilweise Vervielfältigung des Textes ist durch das Urheberrecht strengstens untersagt.
