Wir möchten unsere Erfahrungen im „Umgang mit unfreundlichen“ Bäumen mit Ihnen teilen. Ihre „Unfreundlichkeit“ ist erfunden – die Gefahr jedoch real.
Bäume zu pflanzen ist leicht, sie zu pflegen macht Freude. Sie zu entfernen ist schwer, schmerzhaft und teuer. Deshalb sollte man gut nachdenken, bevor man diese fünf Bäume auf dem eigenen Grundstück pflanzt. Besonders dann, wenn das Grundstück klein ist.
Fichte
Warum man sie nicht in der Nähe des Hauses pflanzen sollte. Ich möchte betonen, dass es hier nicht um dekorative Nadelgehölze geht, die speziell zur Verschönerung des Gartens gezüchtet wurden. Es geht um die „wilde“ Fichte – jene aus dem Wald. Anfangs ist die Fichte klein und hübsch. Und wenn man sie ständig in Form hält, wächst sie wie ein niedliches kleines Spielzeug – ganz nach dem Motto „Im Wald ist ein Tannenbaum geboren“. Genau dafür lieben wir sie.
Lässt man jedoch auch nur ein Jahr lang die Triebformung aus, schießt eine gut verwurzelte Fichte förmlich in die Stratosphäre. Ein halber Meter Zuwachs pro Jahr ist keine Seltenheit. Vor allem dann nicht, wenn ihr der Boden gefällt. Doch das ist noch nicht das größte Problem.
Die Fichte wirft einen sehr dichten Schatten, unter dem nur sehr wenige Zierpflanzen wachsen können (meist nur anspruchslose Waldgräser).
Das Wurzelsystem der Fichte ist sehr flach und weit ausladend. Um standfest zu bleiben, breiten sich die Wurzeln in alle Richtungen aus – deutlich über den Kronenumfang hinaus. Ein Radius von drei Metern und mehr für die Wurzelzone einer ausgewachsenen Fichte ist völlig normal. Umgraben und etwas Neues pflanzen wird zur Herausforderung. Mit dem Wachstum dringen die Wurzeln in den Gemüsegarten, unter Fundamente und Wege vor.
Das Abschneiden der Wurzeln einer Waldfichte ist gefährlich. Schon eine starke Windböe kann selbst einen Baum mit intaktem Wurzelsystem umwerfen. Der Wurzelteller einer umgestürzten Fichte kann mehrere Meter Durchmesser haben. Beim Fallen kann ein ausgewachsener Baum Häuser und andere Bauwerke beschädigen – oder sogar auf das Nachbargrundstück stürzen.
Insgesamt bringt eine Fichte viele Probleme mit sich. Und sie sind alle sichtbar und materiell. Doch wie erklärt man das einem einfachen Menschen, der sich Schönheit wünscht und eine Fichte im Hof pflanzen möchte? Es ist einfacher, Angst zu machen: Pflanze sie nicht – sonst stirbst du frühzeitig!
Amerikanischer Ahorn
In unserer Folklore hat er keinen Platz gefunden, einfach weil er erst relativ spät – im 20. Jahrhundert – zu uns kam. Unkluge Köpfe begannen, den amerikanischen Ahorn in der Stadtbegrünung einzusetzen. Warum auch nicht? Er wächst schnell …
Dabei verdient er wie kaum ein anderer Baum die schlimmsten Vorzeichen. Es ist der brüchigste aller Bäume. Er fällt völlig unvorhersehbar. Von außen wirkt er gesund, doch innen ist der Stamm oft verfault.
Das zweite Problem: Er bildet enorm viel Selbstaussaat. Seine geflügelten Samen fliegen über große Entfernungen, und die Keimfähigkeit liegt fast bei 100 %. Die Schösslinge wachsen wie Drachenzähne und treiben leicht aus der Wurzel wieder aus. Ihn vom Grundstück zu entfernen, ist äußerst schwierig.
Er sieht ungepflegt aus, riecht unangenehm, und unter ihm ist es dunkel und leer. Er unterdrückt das Wachstum heimischer Pflanzenarten. Wozu braucht man ihn überhaupt?
Spitzahorn
Im Herbst ist er wunderschön. Genau das macht ihn gefährlich. Wegen seiner bezaubernden Herbstfärbung wird er in der Nähe von Grundstücken gepflanzt. Dieser Ahorn ist nicht so brüchig wie der amerikanische, bildet jedoch ebenfalls sehr viel Selbstaussaat – er gehört zu den Spitzenreitern. Die Keimlinge wachsen dicht und schnell. Schon im zweiten Jahr ist es schwierig, sie auszureißen. Mähen hilft nicht – es bleiben Stümpfe zurück. Man muss sie sofort jäten, sobald sie erscheinen. Er wächst sehr schnell.
Zu uns fliegen die Ahornsämlinge von den Nachbarn herüber. Ich ziehe sie heraus wie Löwenzahn.
Ein weiteres Problem: Die großen, lappigen Blätter müssen entfernt werden. Andernfalls legen sie sich wie ein dichter Teppich über den Boden, blockieren Licht und Luft für den Rasen und ersticken das Gras. Deshalb ist unter Ahornen meist nackte Erde.
Inzwischen wurden dekorative purpurfarbene Ahornsorten gezüchtet. Sie verschmutzen das Grundstück deutlich weniger.
Birke
Auch die helle Birke hat einen schlechten Ruf – und das nicht ohne Grund. Gut ist sie nur auf feuchten Grundstücken. Das kräftige Wurzelsystem der Birke entwässert den Boden nicht schlechter als eine Pumpe (ein ausgewachsener Baum verbraucht bis zu 200–250 Liter Wasser pro Tag). Aus diesem Grund können unter einer Birke nur sehr wenige Zierpflanzen wachsen.
Bei mir wachsen unter der Birke gut nur trockenheitsresistente Iris und Chaenomeles. Am besten gedeiht dort authentisches Waldgras.
Eine kleine Birke ist wundervoll schön. Doch unter günstigen Bedingungen wächst sie sehr schnell. Nach wenigen Jahren steht dort ein riesiger Baum.
Ein besonderes Problem sind die Wurzeln. Bei Obstbäumen entspricht der Radius des Wurzelsystems ungefähr dem Kronenradius – bei der Birke nicht. Das dichte Wurzelgeflecht breitet sich bis zu fünf Meter weit aus! Welcher Gemüsegarten?
Ein weiteres Problem der Birke ist das Trocknen der Baumspitze, besonders im Alter. Plötzlich beginnt die Spitze eines scheinbar gesunden Baumes zu vertrocknen. Das ist ein schlechtes Zeichen. Eine solche Birke kann noch 20 Jahre stehen – oder morgen beim nächsten Sturm umfallen. Unter einem solchen Damoklesschwert zu leben, ist nicht gerade angenehm, oder?
Bei uns wuchs einst eine Schönheit – eine Trauerweide. Ein großer, alter Baum. Im Frühling war sie mit kleinen „Kätzchen“ bedeckt. Im Sommer ein malerischer grüner Wasserfall, der im Wind silbrig schimmerte.
Dann wurde sie plötzlich krank und begann, Äste zu verlieren. Schließlich warf ein starker Windstoß sie auf das Dach der Sauna. Das Dach hielt stand und wurde nicht beschädigt. Wir aber brauchten mehrere Tage, um den Baum zu entfernen.
Auch die Weide entwässert den Boden hervorragend und wird deshalb oft in feuchten Senken gepflanzt. Doch sie schmückt den Garten nur, solange sie jung ist. Mit dem Alter wird das Holz der Weide brüchig. Große Äste können selbst bei äußerlich gesunden Bäumen bei starkem Wind abbrechen.
Heute gibt es viele dekorative Weiden, die klein bleiben. Zum Beispiel „Hakuro Nishiki“ – eine wunderbare Weide mit rosafarbenem jungen Austrieb.
Und dennoch: Wenn man es wirklich möchte, warum sollte man nicht den Baum pflanzen, der einem ans Herz gewachsen ist? Man muss einfach die Besonderheiten dieser Bäume kennen. Dann wird es keine Enttäuschungen geben – sondern nur Freude.
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